Egal ob Baumhaus, Tiny House oder Luxus Villa, mit dem Baustoff Holz liegen Sie voll im Trend

Auf dem Holztrip

Holz gehört zu den schönsten Materialien, die von der Natur hervorgebracht werden. Neben einer gesunden Wohnatmosphäre überzeugt der nachwachsende Rohstoff vor allem durch eine exzellente Öko-Bilanz. Darüber hinaus ist er extrem vielfältig: Ob man nun bei der Innenausstattung auf Holz setzt oder gleich sein Haus daraus baut – den Gestaltungsmöglichkeiten und der Kreativität des Bauherrn sind kaum Grenzen gesetzt.
Die Tradition des Holzhauses reicht weit zurück – es wird schon seit Jahrhunderten gebaut, wobei die gemütliche Blockhütte inzwischen eher die Ausnahme als die Regel darstellt. Der Baustil ist im heutigen Holzhausbau variabel und wird nahezu allen architektonischen Trends gerecht. Dementsprechend reicht das Spektrum vom kleinen, ökologisch korrekten Häuschen für Zwei bis hin zum geradlinigen oder avantgardistischen Designobjekt. Rein formell fallen alle Konstruktionen, bei denen das Tragwerk aus Holz besteht, unter den Begriff Holzhaus – auch wenn die Wände mit Dämmstoffen, Steinen oder Ziegeln verfüllt sind.
Dabei unterscheidet der Holzingenieur zwischen der Blockbohlenbauweise, bei der Stämme, Bretter oder Balken zusammengefügt werden, so dass daraus Wände und Decken entstehen. Bei einem Stabtragwerk, wie es etwa bei Fachwerkhäusern gebaut wird, tragen senkrechte Balken das Gewicht der Hölzer, die waagerecht in Decke und Dach angebracht sind. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert die Holzrahmenkonstruktion, die sich im modernen Holzhausbau durchgesetzt hat.
Geriet Holz als Werkstoff im Hausbau eine Zeitlang zugunsten von Stein und Beton ins Hintertreffen, sind Gebäude aus dem natürlichen Rohstoff seit einen Jahren wieder auf dem Vormarsch. Der Grund liegt auf der Hand: Ein bewusster Lebensstil ist in und eine harmonische Wohnumwelt wird als Voraussetzung für ein gesundes Leben empfunden. Dementsprechend haben sich die Ansprüche an die Gestaltung und Ausstattung des eigenen Hauses geändert: Standen lange Zeit die individuellen Ansprüche an Architektur und Einrichtung im Vordergrund, sind mittlerweile zahlreiche weitere Aspekte in den Fokus gerückt. Raumklima und Energieeffizienz spielen ebenso eine Rolle wie eventuelle Schadstoffbelastungen, Lärm- und Emissionsquellen.
Bloßer Eigennutz ist out, verantwortungsvolles Handeln gegenüber der Umwelt und den Mitmenschen in. Und in diesem Kontext weist der Baustoff Holz plötzlich wieder weiter in die Zukunft als so mancher Architekt noch vor einigen Jahren gedacht hätte. Kaum ein anderes Material schneidet unter ökologischen Gesichtspunkten besser ab als dieser natürliche Rohstoff, der über seinen gesamten Lebensweg mit Umweltfreundlichkeit punktet. „Die Verwendung von Holz leistet einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz. Holz bindet das schädliche Gas CO2 im biochemischen Prozess der Photosynthese“, erklärt Elisabeth Appelhans, Marketingleiterin bei der Sunderner Firma Sorpetaler Fensterbau.
Darüber hinaus ermöglicht es dem umweltbewussten Bauherrn, auf nachwachsende Materialien aus der Region zurückzugreifen. Da Häuser aus Holz größtenteils in Trockenbauweise errichtet werden, spielt die berüchtigte Baufeuchte, die bei gemauerten Massivhäusern oft noch monatelang spürbar ist, keine Rolle. Im fertigen Haus reguliert das Holz auf natürliche Weise das Raumklima, weil es überschüssige Luftfeuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben kann.
Auch Fertighausanbieter haben den Baustoff Holz längst für sich entdeckt: Seit über 30 Jahren sind unterschiedliche Systeme auf dem Markt. Das Prinzip ist simpel: Mehrere große Elemente werden zur Baustelle geliefert und dort miteinander verbunden. Der Faktor Zeit steht eiligen Bauherren, die sich für Holz entscheiden, also keinesfalls im Weg. Wählt man Holz in erster Linie aufgrund seiner guten Umwelteigenschaften und weniger aus optischen Beweggründen, bietet sich eine Tafel- oder Rahmenkonstruktion an, bei der die Flächen später mit Putz versehen werden können.
Die Wandstärke eines Holzhauses ist im Vergleich zur Massivbauweise gering, was einen Nutzflächengewinn von bis zu zehn Prozent mit sich bringt. Gleichzeitig bietet ein nach modernem Standard errichtetes Holzhaus einen guten Schall- und Wärmeschutz. „Nicht umsonst wird Holz seit Urzeiten als Baustoff und Konstruktionsmaterial eingesetzt – unter anderem, weil es Wind und Wetter trotzt, biegsam und leicht zu bearbeiten ist und beste bauphysikalische Eigenschaften hat“, schildert Elisabeth Appelhans. Grundsätzlich ist Holz reparaturfreundlich und erfordert bei vernünftiger Instandhaltung keinen großen Wartungsaufwand. Die Konstruktionen gelten als sicher und stabil, da sich Holz durch hohe Standfestigkeit und Tragkraft auszeichnet. Doch es gibt auch einige Schwachstellen: Holzhäuser neigen zur Luftdurchlässigkeit und halten unter Umständen nicht jeder Witterung stand. Mängel in Planung oder Materialverarbeitung können den Bewohner empfindlich treffen, wenn es zu permanenter Zugluft, unnötig hohen Heizkosten oder Feuchtigkeitsschäden durch Starkregen kommt. Wer sich für ein Holzhaus entscheidet, sollte daher keinesfalls auf eine fachlich ausgeführte Luftdichtheitsschicht mit notwendiger Wärmedämmung verzichten. Auch in optischer Hinsicht können unbehandelte Holzfassaden zum Ärgernis werden, denn Witterungseinflüsse lassen sie mit der Zeit ergrauen und ausbleichen. Manchem gefällt diese leicht abgenutzte Optik, doch wer die „alte Frische“ bevorzugt, muss alle zwei bis drei Jahre neu lackieren, was mit nicht unerheblichem Aufwand und Kosten verbunden ist.
Übrigens: Die Brennbarkeit von Holz mag zunächst nachteilig erscheinen, wenn es um die Konstruktion eines Hauses geht – tatsächlich wird das Material bei großen Querschnitten aber sogar als brandhemmend eingestuft. Die Kohleschicht, die beim Abbrennen von Holz auf seiner Oberfläche entsteht, wirkt isolierend und schützt somit den Kern. Die Stabilität des Gebäudes lässt bei Feuer also nur langsam nach, während Konstruktionen aus Stahl sehr plötzlich und unkontrolliert einstürzen können. Durch brandhemmende Anstriche lässt sich die Widerstandsdauer einer Holzkonstruktion übrigens noch steigern.

Holz im Haus – nicht nur für Country-Fans
Bauphysikalische Vorzüge sind die eine Seite – auf der anderen gibt es aber auch einige sehr emotionale Gründe, warum Holz in fast jeder Umgebung zu finden ist. „Das Berühren einer Holzoberfläche ist ein angenehmes, spürbares Erlebnis für unsere Empfindungsnerven“, schildert Elisabeth Appelhans. „Gerade in unserer hochtechnisierten Welt bezeichnen viele Menschen eine Wohnumgebung mit Holz als warm und angenehm. Holz unterstreicht aufgrund seiner warmen Ausstrahlung und seiner sehr angenehmen, natürlich wirkenden Optik das Ambiente eines Raumes.“
Kurzum: Möbel und Accessoires aus Holz tun gut, verleihen Räumen Identität, und zuweilen kann man ein geradezu emotionales Verhältnis zu ihnen entwickeln.
Auch im Bereich der Inneneinrichtung ist das Image des Rustikalen, Ökigen längst passé. Holz ist ein fester Bestandteil im Arbeitsalltag von Raumplanern, Einrichtern und Designern, und ähnlich wie in der Mode ist ein Farb- und Mustermix mit großer Gestaltungsbandbreite angesagt. Vorbei sind die Zeiten, in der die Möbel zum Fußboden passen mussten, es zählt das Gesamtbild: Ein heller Ahorntisch zum Beispiel passt wunderbar zu modernem Parkett aus dunklen Hölzern.
Für Liebhaber des Landhausstils ist Holz seit jeher das Material der Wahl. In diesem Kontext dürfen die Möbel auch gern eine Geschichte haben, die sich in Unregelmäßigkeiten wie Astlöchern oder Gebrauchsspuren zeigt. Aber auch hier gilt: Holz wirkt am besten vor einem ruhigen Hintergrund und braucht Licht und Luft, um seine natürliche Schönheit voll entfalten zu können. Sind Wände und Decken vertäfelt, sollte man nicht noch zusätzlich auf hölzernes Mobiliar, sondern auf einen ausgewogenen Materialmix setzen. Holz ist wunderbar mit Glas, Edelstahl oder Kunststoff kombinierbar!
Eine holzdominierte Einrichtung lässt sich in mehrere Stile aufteilen. Eine ländliche, an Alphütten erinnernde Optik beinhaltet meist einen antik anmutenden Schrank, eventuell mit Bauernmalerei versehen, einen massiven Holztisch mit schlichten Stühlen oder eine Eckbank. Maritimes Flair verströmen Dielen aus verblichenem Treibholz und weiß lasierte Holzmöbel. Auch im skandinavischen Blockhausstil ist das Holz oft lackiert, etwa in Form von weißen Holzpaneelen, die sich knapp bis Sitzhöhe an der Wand entlang ziehen. Dazu kommen Möbel aus hellen Hölzern wie Kiefer oder Ahorn.
Der englische Stil ist deutlich dunkler. Als Kolonialmacht prägten die Briten einen ganzen Einrichtungsstil, der auch in der Landhausvariante gut einsetzbar ist: Massive Schränke und Kommoden aus dunklem Holz werden mit gemütlich gepolsterten Korbsesseln kombiniert. Man kann sein Landhaus aber auch wie eine mallorquinische Finca einrichten: Statt Eiche oder Kiefer kommt dabei Pinienholz zum Einsatz, das die gleichen robusten Eigenschaften mitbringt, die allen rustikalen Einrichtungsstilen zueigen sind.
Viele Möbel aus Holz überzeugen durch eine traditionelle handwerkliche Herstellung und lassen dabei etwas von der Geschichte der regionalen Holzverarbeitung durchschimmern – etwa hochwertige Treppen, die eine Fülle von gestalterischen Möglichkeiten bieten und schöne Akzente in der Wohnung setzen können. Ganz oben auf vielen Einrichtungs-Wunschlisten steht jedoch ein Holzfußboden. Kaum verwunderlich, bietet er doch ein tolles Wohngefühl bei hohem Nutzwert. Neben seiner zeitlosen Schönheit verbreitet ein Parkettfußboden Wärme und Eleganz zugleich, stellt ein Sinnbild für behagliches und gesundes Wohnen dar, überdauert Generationen und steigert den Wert einer jeden Immobilie. Durch die Vielfalt der Hölzer und Dekore passt er sowohl in klassische als auch moderne Einrichtungskontexte: kaum eine Farbnuance, kaum ein Effekt, den es nicht gibt.
Ob man nun naturbelassene Massivholzmöbel bevorzugt oder modern beschichtete Oberflächen: Auch die spezifische Haptik verleiht den Einrichtungsgegenständen einen ganz eigenen Reiz. In Sachen Bearbeitung ist Holz übrigens ein echter Allrounder: Es lässt sich wachsen, ölen, lackieren oder lasieren. Und da inzwischen eine vernünftige Auswahl an formaldehydarmen Klebstoffen sowie lösungsmittelsarmen und verträglichen Lacken auf dem Markt ist, können die ökologischen Vorteile des Holzes über alle Verarbeitungs- und Veredelungsschritte bewahrt werden.

Massivhaus
• Sehr gute schallisolierende Eigenschaften
• Massivhäuser werden durch Witterung kaum beeinflusst
• Massivhäuser sind leichter zu sanieren (z.B. bei einem Wasserschaden)
• Höherer Wiederverkaufswert
• Anbauten sind leichter durchzuführen

Holzhaus
• Kürzere Bauzeit
• Unterschiedliche Stile sind möglich – von traditionell bis modern
• Weniger Heizenergie nötig dank selbstregulierender Isoliereigenschaften
• Nachhaltiger Baustoff
• Gesundheitliche Vorteile: Die Holzbauweise ist für Allergiker und Asthmatiker nachweislich gesundheitsfördernd

Fazit
Die Nachfrage nach Holzhäusern steigt. Die wichtigsten Gründe dafür sind einerseits die geringeren Kosten für den Bau und andererseits die Wohlfühlatmosphäre. Wer allerdings längere Zeit in einem Massivhaus gewohnt hat, der wird sich möglicherweise an die geringe Schallisolierung gewöhnen  müssen. Letzten Endes ist es Geschmackssache, welche Bauweise einem lieber ist.


(Fotos: ©KB3, ©ppa5, ©benschonewille, ©Federico Rostagno, © Jodie Johnson  - stock.adobe.com / © slavun, ©goodluz, ©3darcastudio - Fotolia.com)