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Ein ganzes Zimmer an der frischen Luft:

Ein Jahr lang haben wir nun mehr oder weniger den Ausnahmezustand. Viele Zukunftsforscher sagen, nach der Pandemie werde manches anders sein als zuvor. Definitiv haben die Menschen entdeckt, wie glücklich sie sich schätzen können, wenn sie zu Hause ein schönes Umfeld haben. Urlaub fand im letzten Sommer überwiegend daheim statt, umso mehr haben Eigenheimbesitzer Garten und Terrasse verschönert. Gerade das gemütliche Miteinander an der frischen Luft wird uns noch länger begleiten. Vorsichtige Treffen mit Nachbarn sind einfach viel entspannter und angstfreier, wenn man draußen zusammenkommt. Doch unsere Sommer werden heißer und – wie gerade erst erlebt – es gibt auch heftigere Wintereinbrüche. Wie gut das eigene Terrassendach mit den Schneemassen zurechtkommt und wie heiß es im Sommer darunter wird, hängt davon ab, für welche Materialien man sich entscheidet. Lukas Eilhard, Geschäftsführer der Soester Witt GmbH, rät beispielsweise zu hochmodernen, ausgeklügelten Entlüftungssystemen. „Hier kann man sich die Thermik zunutze machen und damit von vorneherein verhindern, dass sich unter dem Terrassendach Stauwärme bildet“, so Eilhard. „Mit dieser Technik benötigt man keine propellergestützten Systeme, es gibt also keine Geräuschbelästigung. Diese Systeme sind sogar mit Insektenschutzgittern ausgerüstet, Wespen können hier keine Nester bauen und sie sind gegen Regen geschützt. Für die Widerstandsfähigkeit bei Schnee gibt es für jede Stadt genaue Karten von den Bauämtern mit individuellen Vorgaben.“ Bei der Beratung stehen die Kundenwünsche im Vordergrund und viele Fragen: Soll es in erster Linie präsentabel aussehen? Leicht zu pflegen sein? Möglichst ökologisch produziert? Frei schwebend oder auf Stelzen? Möchte man später eventuell weitere Technik wie Photovoltaik daraufsetzen? Müssen Anknüpfungsmöglichkeiten für mobile Wände vorhanden sein? Wie muss ein Dach beschaffen sein, wenn man später vielleicht noch eine Heizung auf der Terrasse installieren will? Und was passt überhaupt zu welchem Haustyp? Wir haben uns mal einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten und die Trends 2021 verschafft.

 

Alljährlich wieder gefragt:
Aluminium steht für Zuverlässigkeit und passt zu fast jedem Haus

Neben Stahl- und Holzkonstruktionen ist Aluminium ein echter Dauerbrenner, wenn es darum geht, auf der eigenen Terrasse gut behütet zu sitzen. Das Metall ist besonders stabil, obwohl es im Gegensatz zu Stahl eine geringere Dichte aufweist. Auch verglichen mit Holz ist Aluminium sehr leicht. Man muss weniger Pfosten setzen und es ist auch deutlich pflegeleichter. Je nach gewünschter Neigung des Daches ist aber zu überlegen, wie sich das Dach verhalten wird, wenn der Winter ins Sauerland kommt. Hier sollte man sich bei der Auswahl auf die Erfahrungswerte der ortsansässigen Fachfirmen verlassen. Optisch hat das Aluminium in den vergangenen Jahren von vielen technischen Innovationen profitiert: Spezielle Beschichtungen machen es langlebiger und lassen ein Alu-Dach auf Wunsch aussehen, als sei es aus Holz oder Beton. Sogar in der gerade so angesagten Rostoptik kann das Material erscheinen.

 

Luftig-hell, aber nicht wie im Gewächshaus: Glas, Acryl und der richtige Sonnenschutz

Draußen sein, aber nicht nass werden, wenn mal ein Regenschauer kommt – das ist wohl gerade im Sommer der besondere Reiz einer Terrasse. Ob man sich für Glas – wobei natürlich immer ein besonderes Sicherheitsglas gemeint ist – entscheidet oder für hochwertige Kunststoffplatten aus Polycarbonat oder Acryl, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Grundsätzlich hat man immer mehr Abstand von Kunststoff genommen, weil Glas einfach viel robuster ist und die neuen Verankerungsmöglichkeiten so vielfältig, dass das höhere Gewicht gegenüber Kunststoff keine Rolle mehr spielt. Selbst wenn das Dach nur an der Hauswand verankert sein soll, können spezielle Schwerter es hier sicher fixieren. Drahtseile, die oberhalb montiert werden, sind auch eine Lösung, wenn man auf Stützpfeiler verzichten will. Und noch mehr gibt es zu bedenken. Ist die Terrasse beispielsweise nach Norden ausgerichtet, möchte man ja von den wenigen Sonnenstrahlen so viel wie möglich mitbekommen. Klarglas wäre hier die beste Option. Bei einer Südterrasse dagegen kann unter so einem Dach schnell ein Hitzestau entstehen. Milchglas, auf dem man auch Schmutzablagerungen nicht so schnell sieht – ein Aspekt, der zu bedenken ist, wenn Bäume in der Nähe sind –, gibt diffuses Licht nach unten durch. Glasdächer sind etwas teurer als die Lösungen aus Kunststoff. Das hängt damit zusammen, dass sie aus Sicherheitsgründen bei einer Beschädigung nicht splittern dürfen. Dafür gibt es aber gerade im Bereich der Glasbedachungen eine ganz beachtenswerte Entwicklung …

 

Holz-Terrassendächer bleiben unverändert beliebt

Früher wurden Terrassenüberdachungen oft schon deshalb aus Holz gefertigt, weil hier der Bauherr auch selbst Hand anlegen konnte, während die Bausätze der Aluminiumkonstruktionen vom Fachmann errichtet werden müssen. Mittlerweile haben sich die Gründe, warum Holz unverändert beliebt und in manchen Bereichen sogar immer stärker gefragt ist, gewandelt. Holz steht für ein Stück Natur, symbolisiert Ursprünglichkeit und Bodenständigkeit. Manche Hölzer haben einen unverkennbaren Duft. Holz arbeitet und verändert sich, es ist ein lebendiger Baustoff. Nachhaltigkeit spielt bei der Entscheidung für Holz eine große Rolle.
Im Gegensatz zu aus dem Ausland stammenden Holzarten gibt es in Deutschland viele Waldflächen mit zertifiziert nachhaltigem Anbau.Etwa ein Zehntel unserer Wälder produziert so ein Holz, bei dem man kein schlechtes Gewissen haben muss. Für einheimische Hölzer spricht auch, dass sie jederzeit verfügbar sind und der Transportweg zum Händler deutlich kürzer ist, was wiederum dem Klimaschutz dient. Terrassen lassen sich mit Sichtschutzelementen aus Holz, die genau zur Bedachung passen und darauf abgestimmt sind, ergänzen. Das ganze Areal wird dadurch in verschiedene Zonen unterteilt und bekommt auch optisch noch mehr Tiefe. Viele Holzwände sind auch zur Bepflanzung geeignet, dienen als Himmelsleiter für Wein oder alles, was malerisch ranken kann.
Besonders gefragt unter den Holzsorten ist Douglasie, weil sie einerseits mit ihrem warmen Rotton schön aussieht, andererseits sehr widerstandsfähig ist. Langlebig und resistent gegen Pilzbefall ist diese Holzart eine gute Wahl.

 

Maßgeschneiderter Sonnenschutz durch „intelligentes Glas“

Thermochrom kann ein Terrassendach heutzutage sein. Das bedeutet, wenn die Sonne darauf scheint und eine bestimmte Temperatur erreicht wird, zum Beispiel 40 Grad, verdunkelt sich das Glas ganz automatisch. Grund dafür ist eine spezielle Harzschicht, die in das Verbundglas eingearbeitet wurde, manchmal wird dafür auch eine thermochrome Folie verwendet.
Die darin enthaltenen Substanzen können automatisch ein effektives Sonnenschutzglas erzeugen. Zusätzlich können auch UV-Filter verbaut werden, sodass der Schutz noch effektiver wird. Im Gegensatz zum sogenannten elektrochromen Glas wird dabei kein Strom verbraucht. Nachteil ist allerdings:Man kann die Beschattung nicht so gezielt steuern. Elektrochrome Gläser werden auf Knopfdruck zum Sonnenschutz. Dies kann vom Besitzer selbst, bei einer smarten Anlage sogar direkt über das Handy, gesteuert werden oder aber es ist vorprogrammiert, dass bei bestimmten Witterungsbedingungen das Signal zum Verdunkeln ausgelöst wird. Diese manuell zuschaltbaren Sonnenschutz-Vorrichtungen lassen sich aber auch noch nachträglich einbauen.
Es gibt die schaltbare Folie mitsamt Zubehör im Fachhandel; sinnvollerweise sollte man sie auch von Profis verkleben lassen. „Aber auch Markisen sind immer noch eine gute Möglichkeit, sich vor der Sonne zu schützen“, so Lukas Eilhard. „Moderne, hochwertige Markisentücher erreichen auch bei helleren Stofffärbungen einen Lichtschutzfaktor von 50+.“

 

Wenn die Terrasse zum E-Werk wird: Wo ist ein Solarmodul sinnvoll?

Hat man eine Terrasse, die man normalerweise wegen der starken Sonneneinstrahlung im Hochsommer kaum betreten kann und möchte dort ohnehin lieber einen schattigen Platz haben, ist ein Solarmodul eine gute Option. Insgesamt fällt nämlich nach der Installation einer entsprechenden Anlage viel weniger Licht auf die Terrasse darunter. Gerade für Hausbesitzer, die gerne eine Photovoltaikanlage hätten, deren Dach aber zu wenig Fläche dafür hat, bietet sich so eine Solarterrasse an. Man verwendet halbtransparente Photovoltaik-Module aus Si cherheitsglas, die speziell für die Überkopfmontage entwickelt wurden. 3.500 Kilowattstunden lassen sich mit einer etwa 25 Quadratmeter großen Solarterrasse produzieren, das ist der durchschnittliche Jahresverbrauch an Hausstrom von einer dreiköpfigen Familie.

 

Für volle Flexibilität: Lamellensysteme

Scheint die Sonne und die Lamellen über einem stehen gerade senkrecht, so sitzt man wie unter freiem Himmel. Fängt es dann an zu tröpfeln oder es wird langsam kalt, können die Holz- oder Alu-Streifen einfach gedreht werden. Die Wärme des Tages kann so noch bis in die Dämmerung hinein unterm Dach konserviert werden. Zusätzlich gibt es die Lamellen auch als Wind- oder Sichtschutzwände an den Seiten.
Lamellensysteme können sowohl frei stehend wie eine Pergola errichtet als auch direkt an ein Haus angebaut werden. Es gibt sie in allen möglichen Farben, der Gestaltungsspielraum ist entsprechend groß. Speziell aus Holz gefertigte Lamellendächer sorgen für südländisches Flair. Sie können mit allen Blühpflanzen, mit hellen Steinplatten, Ornamenten oder Verzierungen kombiniert werden. Manche Hersteller bieten mittlerweile auch Modelle an, bei denen sich die Lamellen einfach zur Seite wegschieben lassen, sodass man ein komplett offenes Dach hat. Wichtig ist aber gerade bei den Lamellen, auf die Traglast zu achten. Wenn das Dach auch im Winter geschlossen bleiben soll, muss es mindestens je nach Region zwischen 85 und 125 Kilogramm Belastung pro Quadratmeter aushalten können und bei Windstärken von bis zu 120 Stundenkilometern stabil bleiben.
Zwar sind elektrische Lamellendächer in der Anschaffung etwas teurer als andere Lösungen, dafür bieten sie aber besonderen Komfort und sind beispielsweise leichter zu reinigen als fest montierte Glasdächer. Gute Lamellen lassen sich bis zu einem Winkel von 150 Grad drehen, sodass man sie problemlos von unten säubern kann.

 
Mit „Carmargue“ auch bei 160 Stundenkilometern Windgeschwindigkeit entspannt draußen sitzen

Ein gutes Beispiel für maßgeschneiderte Systeme in unserer Region ist das Dach-Modell „Carmargue“. Auf die örtlichen Gegebenheiten ist es gut abgestimmt. „Windgeschwindigkeiten von 160 Stundenkilometern hält es problemlos stand“, so Lukas Eilhard. „Wichtig ist aber immer ein Regenwächter, wenn man Lamellendächer hat, damit sich das Dach automatisch schließt. Unsere Kunden entscheiden sich oft wegen der modernen Optik für ein Lamellendach. Auch der geringe Aufwand beim Sauberhalten ist ein wichtiger Punkt sowie die Tatsache, dass man – bei entsprechender Lamellenstellung – den Himmel über sich sehen kann.“ Der ganze Charme einer Terrasse entfaltet sich so – sie ist mal gefühlt noch ein weiteres Zimmer des Hauses, dann aber wieder ein Stück vom Garten unter freiem Himmel.

 

Nehmen Sie sich Zeit für die Planung!
Am Ende steht die perfekte Terrasse

Eben weil wir – ob nun zu Pandemie-Zeiten oder einfach vom Frühjahr bis zum Herbst – unsere Terrasse so oft wie möglich genießen wollen, sollten wir uns vorher gründlich Gedanken machen, welche Bedachung und welche Ausstattung ideal sind. Will man zum Beispiel eine Beleuchtung integrieren, weil man gerne auch abends noch lange draußen sitzen möchte, sollte man auch über einen entsprechenden Schutz vor Insekten nachdenken. Beratung durch einen Fachbetrieb ist hier unverzichtbar: Der private Hausbesitzer baut einmal, vielleicht zweimal in seinem Leben eine neue Terrasse, der Fachmann täglich.