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Unter Strom

Die Autobranche rollt spannungsgeladen in die Zukunft. Immer mehr Hersteller setzen auf Elektroantriebe. So haben inzwischen Jaguar und Volvo angekündigt, ab 2030 sogar ausschließlich E-Fahrzeuge zu bauen. Beide Unternehmen treten somit im kommenden Jahrzehnt – wie bereits Tesla ab dem ersten Tag – als reine Elektromarken auf. Andere Hersteller planen nicht ganz so radikal, kündigen aber an, entweder E-Autos ganz neu anzubieten oder den Anteil von Fahrzeugen mit dieser Antriebsart in den kommenden Jahren deutlich zu erhöhen. Aufgrund der Förderung von bis zu knapp 10.000 Euro sowie der Steuererleichterungen und einer zwar nach wie vor noch recht übersichtlichen, aber immer besser werdenden Ladeinfrastruktur steigen auch die Verkaufszahlen. Einen wesentlichen Beitrag dazu leisten allerdings auch die Modelle, die jetzt nach und nach in den Handel kommen. Optisch attraktiv, digital auf dem neuesten Stand und mit Reichweiten, die auch längere Fahrten erlauben, sprechen sie inzwischen einen breiten Kundenkreis an. Hier nun eine Auswahl aus den Neuheiten der kommenden Monate:

Audi

Audi baut mit dem e-tron GT und dem Q4 e-tron das Stromerangebot aus. Der e-tron GT (99.800 Euro) ist wie sein stärkerer Bruder RS e-tron GT (138.200 Euro) ein auf Sportlichkeit ausgelegtes Modell. Die beiden E-Maschinen an Vorder- und Hinterachse leisten im GT 175 kW (238 PS) beziehungsweise 320 kW (435 PS). Das führt zu einer Gesamtleistung von 350 kW (476 PS). Beim RS e-tron GT kommen 440 kW (598 PS) zusammen. Die Reichweiten betragen bis zu 488 beziehungsweise 472 Kilometer. In beiden Modellen kann die Hochvolt-Batterie netto 86 kWh Energie speichern.
Noch im ersten Halbjahr folgt der Q4 e-tron. Zur Technik hält sich Audi noch bedeckt. Da der Q4 e-tron aber technisch mit dem ID.4 von VW mehr oder weniger identisch ist, dürfte der Allradantrieb im 50 Quattro 220 kW (299 PS) leisten und die Batteriekapaziät bei 77 kWh liegen. Auch ein Heckantrieb ist geplant. Die Reichweiten dürften zwischen etwa 340 und 500 Kilometern liegen. Der Einstiegspreis soll unter 42.000 Euro liegen.

Mercedes

Mercedes-Fans können mittlerweile zwischen drei, wird die Tochter Smart dazugezählt sogar zwischen fünf Elektromodellen wählen. Bei Smart sind es der Fortwo EQ und der Forfour EQ. Bei Mercedes gesellt sich jetzt zu dem Mittelklasse-SUV EQC und dem Großraum-Van EQV als jüngstes und auch kleinstes Mitglied des E-Trios der EQA. Er basiert auf dem klassischen GLA und tritt mit einer Länge von 4,46 Meter, einer Breite von 1,83 Meter sowie einer Höhe von 1,62 Meter in der Klasse der kompakten SUV an. Der Radstand von 2,73 Meter sorgt für kurze Überhänge und viel Platz für Passagiere. Die Preise beginnen bei etwa 47.500 Euro. Der E-Autos-Bonus kann davon noch abgezogen werden. Als Antrieb fungiert ein 140 kW/190 PS starker Asynchronmotor an der Vorderachse. Die Stromversorgung übernimmt ein 66,5 kWh großer Akku, der für eine Reichweite von 426 Kilometern gut ist. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf Tempo 160 begrenzt. Geladen wird der
umfangreich ausgestattete EQA an Wallbox oder Ladesäule über einen
serienmäßigen Elf-kW-Bordlader. Am Schnelllader verträgt der Akku bis zu 100 kW, sodass 30 Minuten an der Gleichstrom-Steckdose für einen Hub von zehn auf 80 Prozent reichen sollten.
Mittelfristig hat Mercedes mindestens ein Performance-Modell mit mehr als 200 kW/272 PS und einem zweiten Motor im Heck sowie eine auf Langstrecke getrimmte Version mit einem Energiespeicher für mehr als 500 Kilometer angekündigt. Für sein Elektro-SUV EQC hat Mercedes das Modellangebot erweitert. Dank einer etwa 66.000 Euro teuren Basisversion sinkt der Einstiegspreis der Baureihe um 3.500 Euro. Für den EQC wird ausschließlich ein 300 kW/408 PS starker Allradantrieb angeboten. Die Reichweite wird mit etwa 460 Kilometer angegeben. Im Lauf des Jahres sollen der EQB sowie die Luxuslimousine EQS als E-Modelle folgen.

Jaguar

Jaguar hat den elektrisch angetriebenen I-Pace jetzt serienmäßig mit einem elf-kW-Bordladegerät ausgerüstet. Damit ist es nun möglich, das Dreiphasen-Laden zu nutzen. Pro Stunde ist nach WLTP-Standard an einer solchen Ladestation eine Reichweite von 53 Kilometern zu tanken. Das komplette Aufladen dauert beispielsweise an der entsprechenden Wallbox zu Hause weniger als neun Stunden.
Damit tragen die Erfahrungen aus dem E-Motorsport vor allem in Sachen Reichweite Früchte. Die dort gesammelten Erkenntnisse haben letztlich dazu geführt, allein über eine andere Softwareabstimmung und ohne jeglichen Eingriff in die Hardware ein Plus an Reichweite von acht Prozent zu erzielen. Somit stehen laut WLTP-Norm nun 470 Kilometer im Datenblatt des I-Pace, der von einem 400 PS (296 kW) starken E-Motor mit 696 Nm angetrieben wird. In der Spitze wird bei 200
Kilometern pro Stunde abgeregelt. Anlässlich der Überarbeitung hat der I-Pace nun ein neues Infotainmentsystem (Pivi-Pro), das mit selbstlernender Navigation den kürzesten Weg zur nächstliegenden und freien Ladestation zeigt. Kosten und Zeiten werden ebenfalls angezeigt. Der Einstiegspreis des I-Pace, der bereits seit 2018 im Handel ist, liegt bei 77.300 Euro.

Porsche

Porsche schickt mit dem Taycan Cross Turismo sein zweites Elektromodell ins Rennen. Dem zweiten Vertreter der Baureihe haben die Designer ein verlängertes Dach und eine steile Heckklappe verpasst. Das führt zu mehr Kopffreiheit für die Mitfahrer auf den hinteren Plätzen und einem größeren Kofferraum (bis zu 1.200 Liter). Zudem haben die Gestalter dem Cross Turismo mit markanten Kunststoffplanken am Blech einen Hauch von Robustheit verpasst.
Vier Antriebsvarianten stehen zur Wahl. Generell gibt es elektrischen Allradantrieb und eine Batterie mit einer Kapazität von 93,4 kWh. Basismodell ist der Taycan 4 Cross Turismo mit 280 kW/380 PS Dauerleistung und einer Reichweite von bis zu 456 Kilometern. Der Taycan 4S leistet 360 kW/490 PS, der Taycan Turbo 460 kW/625 PS. Für beide Versionen wird eine Reichweite von bis zu 452 Kilometern angegeben. Top-Modell ist der Taycan Turbo S mit 460 kW/625 PS und einer Reichweite von 419 Kilometern. Die Preise starten bei 93.635 Euro.

Citroën

75 Kilometer Reichweite, Höchsttempo 45 Kilometer pro Stunde – mit diesen Werten wartet der zweisitzige Citroën Ami auf. Das Auto in Würfelform ist mit 2,51 Metern gut 20 Zentimeter kürzer als ein Smart Fortwo. Die 5,5 kWh-Batterie speichert Energie für den sechs kW/acht PS starken E-Motor und kann in drei Stunden an der Haushaltssteckdose aufgeladen werden. Der Einstiegspreis liegt bei 6.900 Euro.
Außerdem bietet Citroën den C4 jetzt auch als rein elektrisch angetriebene Version an. Der 4,36 Meter lange, 1,80 Meter breite und 1,52 Meter hohe Franzose wird über die Vorderachse angetrieben. Der Motor verfügt über eine Leistung von 100 kW (136 PS). Die Batterie hat eine Kapazität von 50 Kilowattstunden. Das reicht nach dem WLTP-Zyklus für eine Reichweite von bis zu 350 Kilometern. Zum Aufladen der Batterie bestehen unterschiedliche Möglichkeiten: An einer öffentlichen Schnellladestation kann der neue Citroën ë-C4 mit bis zu 100 kW geladen werden – so lässt sich die Batterie in nur 30 Minuten bis zu 80 Prozent wieder aufladen. An einem Elf-kW-Ladeanschluss lässt sich die leere Batterie in etwa fünf Stunden wieder vollständig laden. Der ë-C4 kostet 34.640 Euro, die Förderung kann davon abgezogen werden.

Texte: Wolfgang Schäffer