(Foto: ©Ruhpolding Tourismus GmbH – stock.adobe.com)

Winterglück liegt draußen

In „Game of Thrones“ hängt der Satz wie ein drohendes Schwert in der Luft: „Winter is coming“. Weshalb Bayerns Ministerpräsident Markus Söder eine Tasse mit genau diesem Aufdruck bei einer Herbst-Corona-Pressekonferenz auf den Schreibtisch stellte. Das Bild ging um den Globus. Ein PR-Coup. Dabei ist für die meisten Menschen „der Winter“ keine Bedrohung – sondern eine Freude. Wie jedoch ist sie beschaffen? Felix Neureuther gestand mal, der höchste Genuss beim Skirennfahren sei für ihn – wenn er im Zielraum die Skischuhschnallen öffnen dürfe. Für andere wiederum kann der Genuss-Gipfel eine perfekt gezogene Carving-Kurve sein oder ein Germknödel, das Lächeln einer Hüttenwirtin, die wärmenden Hände eines Skilehrers, ein besonders tolles Restaurant oder die heiße Musik eines Akkordeonspielers auf der Hütte oder, oder, oder...
Die Frage ist nur: Wie viele aller möglichen Genüsse sind in Zeiten von Corona möglich? Wir wissen es nicht, denn derlei kann sich täglich ändern. Aber sollte sich dieses oder jenes Genüsschen nicht realisieren lassen (weil z.B. manche Hütten nicht geöffnet sind), so bitte nicht verzagen, sondern: sich einen anderen Genuss erwählen.
Unser Tipp: Setzen Sie weniger auf das alpine Pisten-Skifahren mit seinem Gedränge an den Liftkassen oder den Gondeln. Mal ehrlich: Die YouTube-Videos vom Gletscherskifahren im Herbst waren teilweise erschreckend. Sondern wählen Sie sich diesen Winter als Alternative eine der vier „Königs-Schneevergnügungen“ aus, wenn es darum geht, Menschenmassen zu vermeiden und Ruhe und Stille im Schnee für sich alleine genießen zu können:
• Skitouring
• Skilanglauf
• Schneeschuhwandern
• Winterwandern
Natürlich würde auch Eisklettern dazu zählen – das kommt jedoch nur für eine Minderheit in Frage. Und Schlittschuhlaufen auf einem abseits gelegenen See oder Fluss? Fabelhaft – doch die latente Gefahr einzubrechen verdirbt das gute Gefühl. Und Rodeln wäre zwar „fun“, aber enge Kontakte wären unvermeidbar... Und ebenso ist natürlich auch Eisstockschießen eine Mordsgaudi – aber halt nur in der Gruppe, eventuell mit Glühwein zum nahen Anstoßen und Jubelschreien inklusive aerosolesken Umarmungen.
So bleiben eben tatsächlich nur jene besagten „Vier“ als bestmögliche Winter-Vergnügungen im Schnee. Auf der nächsten Seite stellen wir sie etwas detaillierter vor. Und was Söder betrifft: Als er sich Tee in die tricky Tasse goss, verwandelte sich die Inschrift in: „Winter is here...“


Skitouring
Nicht das „Fitness-Skitouring“ meinen wir – jenes extrem in Mode gekommene Aufsteigen neben einer Skipiste und anschließende Abfahren auf derselben. Sondern das wirkliche Skitouring abseits des großen Rummels. Stundenlang alleine (aus Sicherheitsgründen aber lieber zu zweit!) in die Höhe stapfen – und dann im Tiefschnee zu Tal schwingen: Sa-gen-haft! Bedauerlicherweise nur für Expert(inn)en. Vielleicht kennen Sie eine(n)? Und sie/er nimmt sie mit?

Skilanglauf
Das beste Fitness-Studio der Welt steht nicht in New York – sondern im Schnee: eine klassische Skilanglauf-Loipe bzw. Skating-Piste! Denn dieser Sport, der so viel Einsamkeit bietet wie nur gewünscht, erfordert nicht nur eine gewaltige Portion Ausdauer, fördert und fordert also nicht nur ein starkes Herz und einen stabilen Kreislauf. Sondern man benötigt außerdem: Power in den Beinen – speziell in den Oberschenkeln. Power in den Armen - speziell am Trizeps. Power im restlichen Körper – also perfekte Bauch-, Rumpf- und Rückenmuskeln. Resultat u.a.: ein straffer Po! Wem dies zu mühsam erscheint: dann einfach Skiwandern – macht gleichfalls enormen Spaß.
Schneeschuhwandern
Eine klasse Entschleunigungs- und zugleich Fortbewegungsart: Mit speziellen Schneeschuhen wie einst Jack Londons Goldgräber durch den Wald stapfen – weshalb es mancherorts auch „Trappern“ genannt wird. Kann man nicht nur mit Schnee-, sondern auch mit Gleitschuhen, also kurzen, breiten Mini-Ski. Aber unbedingt darauf achten, dass die Tierwelt nicht gestört wird! Und aufpassen, dass Sie sich nicht verlaufen! Schneeschuhe muss man nicht unbedingt kaufen, Sport-Shops verleihen sie auch. Um auf das Goldgräber-Feeling zurückzukommen: Ein ganz besonderer Seh- und Stille-Genuss, der die Seele durchatmen lässt, ist auf Schneeschuhen zu finden in „Klein-Kanada“

Winterwandern
Die Landschaft einsaugen, die Ruhe und das Knirschen des Schnees verinnerlichen: Das ist ausgezeichnet möglich beim Winterwandern – dafür offeriert jeder gute Wintersport-Ort heutzutage bestens geräumte Wege offeriert, die auch gepflegt werden, als seien sie Langlauf-Loipen. Wer es etwas tougher wünscht, kann noch Stöcke dazu verwenden – und Nordic Winterwalking zelebrieren. Allerdings dürfte der Aufprall der Stockspitzen ruhemäßig betrachtet etwas kontraproduktiv sein. Das „pure“, also stocklose Wandern durch die weiße Welt erscheint irgendwie romantischer.