REGIONALES

Sonntag, 03 Juli 2022

Was tun, wenn die Preise steigen?

Die Corona-Pandemie wirbelt weltweit das Leben durcheinander. Gleichzeitig sorgt der Krieg in der Ukraine in Verbindung mit erwarteten Lieferengpässen für einen enormen Preisanstieg bei Öl und Gas. Das spüren wir alle beim Tanken und auf der Heizölrechnung. Folge: Die Inflationsrate in Deutschland stieg zuletzt auf über fünf Prozent. Was bedeutet Inflation? Welche Möglichkeiten gibt es, um das eigene Vermögen vor Inflationsverlusten zu schützen?

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Vermögensanlage in Inflationszeiten: Investments mit Wert

Laut Definition bedeutet Inflation einen dauerhaften Anstieg des allgemeinen Preisniveaus. „Inflation heißt ganz einfach erklärt, die monatlichen Ausgaben liegen höher als im Jahr davor“, bringt es Markus Demary, Geldpolitik-Experte vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, auf den Punkt. Heißt für uns alle: Das Geld ist weniger wert.

Basis für die Berechnung der Inflationsrate bildet ein exemplarischer Warenkorb eines Durchschnittshaushalts. Darin enthalten sind verschiedenste Waren und Dienstleistungen, deren Preise jeden Monat vom Statistischen Bundesamt erfasst und verglichen werden. „Wenn die Preise für bestimmte Produkte steigen, haben die privaten Haushalte höhere Ausgaben”, erklärt Markus Demary. „Das nennen wir dann Inflation. Die Kaufkraft eines Euro ist gesunken oder anders ausgedrückt, für einen Euro kann ich mir weniger kaufen.“

Warum gerade Haushalte mit niedrigen Einkommen von der Inflation betroffen sind, liegt an der Zusammensetzung ihrer monatlichen Ausgaben. Besonders bedeutsam sind drei große Ausgabeblöcke: Wohnkosten, Mobilitätskosten und Kosten für Lebensmittel. „Bei ärmeren Haushalten wirken sich gestiegene Preise für Lebensmittel und Wohnen deutlich stärker aus, weil sich in diesem Bereich nur wenig bis gar nichts sparen lässt“, verdeutlicht IW-Geldpolitik-Experte, Markus Demary. Haushalte mit einem höheren Einkommen kommen hingegen besser durch die Inflation, „weil das Geld mehr in Handys oder Computer fließt, wo die Preise qualitätsbereinigt im Zeitablauf stark gefallen sind.“ Heißt konkret: Vor zehn Jahren konnten Handybesitzer mit einem Gerät für 200 Euro telefonieren und SMS verschicken. Heute halten sie für das gleiche Geld einen Mini-Computer in der Hand.

Was also tun, wenn die Preise steigen und sparen auch nur bedingt möglich ist? Welche Anlagen schützen vor Inflationsverlusten? Grundsätzlich empfehlen Anlage-Experten eine langfristige Strategie, die im besten Fall schon dann beginnt, bevor die Preise steigen. In dem Zusammenhang ist oftmals die Rede von der Diversifizierung des Portfolios. Was bedeutet das?

Dazu ein anschauliches Beispiel: Wenn Kinder Verstecken spielen, sucht sich jedes Kind einen eigenen Unterschlupf. Es wäre sinnlos, wenn alle Kinder das gleiche Versteck benutzten. Dann müsste das suchende Kind nur diesen einen Ort entdecken und hätte gewonnen. Durch die Aufteilung der Kindergruppe sinkt das Risiko des Einzelnen vor Entdeckung auf ein Minimum. So ähnlich funktioniert die Diversifikation des Portfolios oder des eigenen Vermögens. Wer alles auf eine Karte setzt, verliert im Zweifelsfall auch alles. Daher streuen Anlegerinnen und Anleger das Risiko, indem die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel in unterschiedliche Anlagen fließen. Ganz wichtig: Nur Geld investieren, welches nicht für den täglichen Bedarf benutzt wird.

Den Hauptteil bei der Risikostreuung bilden daher immer konservative, sichere Anlagen. Spekulative Werte machen den kleineren Teil aus. Letztlich hängt die Zusammensetzung eines Anlage-Portfolios vom zur Verfügung stehenden Vermögen und der individuellen Risikobereitschaft ab.

Aktien werfen regelmäßig hohe Renditen ab, bergen für Börsen-Laien allerdings gewisse Risiken. Wer sich gut mit der Materie auskennt, macht bei der Geldanlage in Aktien nicht viel falsch. Macht es in einer Inflation vielleicht Sinn in Aktien von Unternehmen zu investieren, die Produkte des täglichen Bedarfs herstellen? In so einer Phase sorgen steigende Preise für höhere Umsätze. „Das lässt sich so allgemein nicht raten“, weiß der Geldpolitik-Experte vom Institut der deutschen Wirtschaft, Markus Demary, „denn Anlegerinnen und Anleger tragen immer noch das allgemeine Risiko, das sich aus den Schwankungen der Aktienkurse ergibt.“

Außerdem investieren Menschen in Deutschland lieber in sichere Anlagen, beispielsweise Aktienfonds, wo das Risiko von Verlusten durch eine Streuung auf verschiedene Unternehmensanteile aus verschiedenen Branchen überschaubar bleibt. Zudem eignen sich einzelne Unternehmensaktien auch eher für Haushalte mit höherem Einkommen, denn nur die wären im Zweifel in der Lage, mögliche Verluste zu tragen, wenn der Aktienmarkt sich im Keller befindet.

Eigentümerinnen und Eigentümer von Immobilien können sich gegen Inflation absichern, wenn sie beispielsweise eine Wohnung besitzen, diese vermieten und die Miete, laut Vertrag, an die Inflationsrate koppeln. Immobilien bieten allerdings auch bei Eigennutzung eine gewisse Absicherung, weil keine Miete bezahlt werden muss. Die durch den Krieg in der Ukraine stark gestiegenen Energiekosten fallen trotzdem ins Gewicht. Clevere Hausbesitzer können allerdings auch hier langfristig eine Menge Geld sparen und gleichzeitig den Wert der eigenen Immobilie steigern. Denn für die energetische Sanierung der eigenen vier Wände fließen teilweise satte staatliche Fördergelder. Wer jetzt in eine Solaranlage, eine bessere Wärmepumpe oder eine moderne Dämmung investiert, erhöht damit langfristig den Wiederverkaufswert seiner Immobilie erheblich.

Schon gewusst? Wer ein Haus mit Garten besitzt, kann über die grüne Lunge rund ums Haus den Wert seines Grundstücks deutlich steigern. Wenn sie ihren Garten hegen und pflegen und in ein echtes Schmuckstück verwandeln, sind Wertsteigerungen im unteren zweistelligen Bereich für das gesamte Objekt durchaus möglich.
Beim Thema Gold als Anlage reagiert Markus Demary, wie bei Aktien, eher zurückhaltend: „Gold wirft keine Dividende oder Zinsen ab. Im Grunde profitiere ich als Anleger nur von den Preisschwankungen. Empfiehlt sich daher eher für Menschen mit hoher Risikopräferenz und etwas Geld auf der hohen Kante.“ Aufgrund starker Kursschwankungen sollte grundsätzlich nicht zu viel Geld in Gold investiert werden. Die Stiftung Warentest rät 10 Prozent des verfügbaren Vermögens in Gold zu stecken.

In aller Munde sind seit einiger Zeit auch sogenannte Kryptowährungen. Dabei handelt es sich um eine digitale Währung und ein digital abgesichertes Zahlungssystem, welches komplett ohne Banken als Mittler auskommt. Die bekannteste und älteste Kryptowährung nennt sich Bitcoin. Inzwischen gibt es neben Bitcoin viele verschiedene Kryptowährungen mit Namen wie Ethereum, Binance Coin, Tether oder Cardano, um nur die größten Währungen mit der höchsten Marktkapitalisierung zu nennen.

Eignet sich ein digitales Zahlungsmittel als seriöse Anlage und Schutz gegen Inflation? Die Meinungen in der Finanzwelt gehen weit auseinander.

Dazu etwas Hintergrund am Beispiel Bitcoin: Diese Kryptowährung ist in der Anzahl auf 21 Millionen Coins begrenzt. Die expansive Geldpolitik von Zentralbanken hingegen sorgt für einen stetigen Anstieg des Geldangebots. Zum Vergleich: Die Geldmenge in den USA ist seit Anfang des Jahres 2018 um mehr als 50 Prozent angewachsen. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl an Bitcoins nur um zwölf Prozent.

Gleichzeitig sinkt der Wert von Kryptowährungen auch schonmal in nur wenigen Monaten von 65.000 auf 30.000 US-Dollar. Bei solchen Zahlen schwindet sehr schnell der Glaube an eine sichere Anlage.
Daher fällt das Urteil der meisten Finanzexpertinnen und -experten in Sachen Kryptowährung eindeutig aus: Finger davonlassen. Den Höhenflug von Bitcoin und Co. in Zeiten hoher Inflation bewerten die Fachleute als Zufall. Aus wissenschaftlicher Sicht sind Empfehlungen, in Kryptowährungen zu investieren, nichts weiter als ein Marketing-Argument.
Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies der Frankfurter Goethe-Universität, wird in einem Artikel des Berliner Tagesspiegel im Dezember 2021 mit den Worten zitiert: „Einen Inflationsschutz kann nur ein Sachwert bieten. Hinter dem Bitcoin steht aber kein realer Wert.“

Doch welche Sachwerte bergen Potenzial, wenn es darum geht, Vermögen in Zeiten hoher Inflation zu schützen? Ein Blick lohnt zunächst auf die Klassiker Briefmarken und Münzen. Wer diese Wertgegenstände sammelt, startet im Grunde eine Wette mit der Zeit. Denn wer weiß schon, ob eine Sondermarke oder eine Sonderprägung aus dem Jahr 2022 im Jahr 2072 vielleicht einmal besonders wertvoll sein wird?

Anlegerinnen und Anleger mit einem Faible für seltene Postwertzeichen oder Sondermünzen, sollten mit dem Sammeln möglichst schon in jungen Jahren starten.Denn von einer ordentlich zusammengestellten Kollektion profitieren später einmal Kinder und Enkelkinder. So eine Investition als Geschenk für die nachfolgende Generation lohnt sich selbstverständlich nicht nur bei Briefmarken und Münzen.

Eine besonders emotionale Wertanlage stellen Kunst oder Antiquitäten dar. Gemälde oder alte Schätzchen gelten als sichere Anlage, denn gute Qualität lässt sich auf den internationalen Kunstmärkten immer gewinnbringend verkaufen. Gleichzeitig kommen Kunstliebhaber in den Genuss, ihre Geldanlage täglich im Blick zu haben. Ein doppelter Gewinn.

Auch Uhren sind in der jüngeren Vergangenheit im Interesse von Anlegerinnen und Anlegern gestiegen. Hier sollte auf bekannte Marken geachtet werden. Natürlich wirkt sich auch die Stückzahl auf den Wert aus, je seltener desto besser. Und: unbedingt auf klassische Modelle setzen. Modische Trenduhren lassen sich später schwieriger wieder in Geld verwandeln.

Alte Autos eignen sich nicht nur für Anlegerinnen und Anleger mit großem Geldbeutel. Denn vor allem Tüftler und Bastler können von hohen Renditen profitieren. Wer sich auf dem Oldtimer-Markt etwas auskennt, kann hier für kleines Geld enorme Wertsteigerungen erzielen. Mit handwerklichem Geschick und Liebe zum Detail wird aus der alten Rostlaube ein fahrender Rohdiamant. Auch hier gilt: Je kleiner die Stückzahl eines Fahrzeugs, desto höher der Sammlerwert.

Bei Wein und Whisky steht im Gegensatz zur Anlage in Kunst und Antiquitäten der reine Genuss im Vordergrund. Alkohol eignet sich allerdings besser als Gaumenschmeichler und weniger als echte Geldanlage mit Potenzial. Selbst speziell aufgelegte Wein-Fonds haben bislang kaum Rendite abgeworfen.

Abschließend lohnt noch ein Blick auf einen neuen Trend: ‚grüne‘ Aktienfonds. In Zeiten von Klimaschutz und Fridays for Future entdecken viele Investoren ihr ‚grünes‘ Herz und möchten ihr Geld mit gutem Gewissen anlegen. Diese Entwicklung scheint mehr als nur eine Mode-erscheinung zu sein. Eine Analyse im Handelsblatt aus dem November 2021 zeigt, solche Fonds, die in nachhaltige Technologien oder Branchen investieren, haben in den vergangenen fünf Jahren eine durchschnittliche Jahresrendite von mindestens 14 Prozent oder mehr abgeworfen.

 

Ungewöhnliche Anlagen

Echte Sammler zahlen im Zweifel jeden Preis, um ihr Lieblingsstück zu besitzen. So erzielten der Sneaker ‚Nike Air Jordan 12 Flu Game‘ von US-Basketballstar Michael Jordan, die er im NBA-Finale 1997 getragen hat, bei einer Auktion einen Rekordpreis von 104.765 US-Dollar.

Und wer Lego bislang für bunte Bauklötze hielt, schaut besser noch einmal auf dem Dachboden nach. Möglicherweise liegen da unentdeckte Schätze. Kürzlich wechselte auf einer Internetplattform der Originalbausatz des ‚Millennium Falcon‘ aus der 2007er Star-Wars-Serie für 4.700 Euro den Besitzer. Der Originalpreis lag bei 450 Euro.

Und der letzte Schrei sind aktuell in Comicmanier gezeichnete gelangweilt dreinschauende Affen. Dabei handelt es sich um sogenannte NFT, non-fungible-token,  eine Kryptowährung. Im Gegensatz zu einem Bitcoin gibt es von einem NFT immer nur ein Exemplar. Die Affen sind los, weil sich unter die Käufer auch Prominente mischten, beispielsweise Sänger Justin Bieber oder Rapper Eminem. Einige Affenbilder erzielten Preise von über 300.000 US-Dollar.

 

Text: Lars Lubienetzki