Dienstag, 05 März 2024

„Lebe im Hier und Jetzt“

Interview mit Motivationstrainer Dr. Biyon Kattilathu

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Foto: © Stephan Schmick

Er erreicht mit einem Facebook-Posting über zwölf Millionen Menschen: Dr. Biyon Kattilathu (34) ist promovierter Motivationspsychologe und bekannt für seine YouTube-Videos, die Menschen dabei helfen sollen, glücklicher zu werden. „Marketing ist inderleicht“ lautete neulich der Vortrag des Hageners beim Marketing Club Südwestfalen. 

TOP Magazin: Sie waren kürzlich beim Marketing Club Südwestfalen zu Gast. Was zeichnet aus Ihrer Sicht gutes Marketing aus? 

Dr. Biyon Kattilathu: Den Kunden richtig zuzuhören, ihn zu verstehen. Statt interessant zu wirken, wirklich interessiert sein. Ich habe das auch versucht, interessant zu wirken. Bis ich gemerkt habe, es geht darum, interessiert zu sein – denn interessant sein, das funktioniert nur kurzfristig. Man muss die Kunden miteinbeziehen und Feedback einholen. Welche Themen interessieren die Kunden? Ebenso wichtig ist es auch, gut mit Kritik umgehen zu können. 

TOP Magazin: Können Sie ein Beispiel aus der Praxis nennen?

Dr. Biyon Kattilathu: Mein Hörbuch beispielsweise habe ich komplett über Social Media abgewickelt. Ich habe meine Follower via Facebook gefragt: Was wollt ihr haben? Das Ergebnis: ein Hörbuch. Dann habe ich gefragt, über welche Themen? Wie soll das Cover aussehen? So ist das entstanden. Das Hörbuch war dann plötzlich auf der Spiegel-Bestseller-Liste auf Platz 4. 

TOP Magazin: Für Ihren Vortrag beim Marketing Club haben Sie sehr viel Lob erhalten. Was sind aus Ihrer Sicht die Vorteile einer Mitgliedschaft im Club? 

Dr. Biyon Kattilathu: Ich war jetzt zum ersten Mal beim Marketing Club Südwestfalen. Habe aber direkt gemerkt, die Leute sind sehr offen, herzlich und interessiert. Es haben sich direkt Geschäfte angebahnt. Menschen folgen Menschen, das ist die Erfahrung und so ergibt sich für alle eine Win-win-Situation. 

TOP Magazin: Lassen Sie uns über Ihre Heimatstadt Hagen sprechen. Sie brechen immer wieder eine Lanze für die Stadt. Was mögen Sie an Hagen? 

Dr. Biyon Kattilathu: Ich bin in Hagen geboren, habe während des Studiums in Dortmund gewohnt und letztes Jahr auch in Köln, weil ich dort mein Medienmanagement hatte. Inzwischen bin ich aber wieder in Hagen, weil ich hier einfach ein gutes Netzwerk habe – sowohl privat als auch geschäftlich. Die Wege sind entsprechend kurz und man kann viel innerhalb kürzester Zeit erledigen. In Großstädten dauert so etwas einen halben Tag. Dazu kommt: Man kennt sich einfach. Es erkennen mich immer mehr Leute auf der Straße. Trotzdem bin ich ein „Hagener Junge“. In Köln ist das anders, da werde ich so viel angesprochen, dass ich immer öfter in zeitliche Schwierigkeiten komme. 

TOP Magazin: Sie sind promovierter Motivationspsychologe und sagen: „Für sein persönliches Glück ist man selbst verantwortlich.“ Dankbarkeit, die richtigen Menschen um sich haben, Sport/ Ernährung, das sind Tipps, die sie geben. Nehmen wir aber mal an, jemand befindet sich in einer Krise – privat, geschäftlich, finanziell. Worst Case also. Welche Tipps können Sie einem Menschen geben, der eigentlich keine Hoffnung mehr hat? 

Dr. Biyon Kattilathu: Das ist von Mensch zu Mensch verschieden. Es gibt aber auch einfach Fälle, wo Menschen ärztliche Hilfe aufsuchen sollten. Ich habe auch da ein großes Netzwerk an Psychotherapeuten. Das nur mal vorab. 

Im Übrigen: Es ist völlig normal, auch mal down zu sein. Dann ist es gut, sich einem Psychotherapeuten anzuvertrauen. In Deutschland ist das leider nach wie vor ein Tabuthema. Viele schämen sich dafür, wenn sie psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Das ist in den USA und Kanada völlig anders – wenn‘s einem nicht gut geht, geht man zum Psychotherapeuten. 

Ich sehe mich nur als Wegweiser, die Motivation muss von innen herauskommen. In Motivation steckt „Motiv“, also das „Warum“. Was ist dein „Warum“? Warum machst du diesen Job? Je deutlicher man sich das beantworten kann, desto größer die Motivation. Man muss dafür nach innen blicken. Und wenn die Motivation nicht groß genug ist, zum Beispiel für den Job, dann muss man sich woanders bewerben. 

TOP Magazin: Herauszufinden, was man will – ist das nicht die schwierigste Frage überhaupt? 

Dr. Biyon Kattilathu: Vielleicht ist es aber auch die schönste Aufgabe! Ich werde oft gefragt: „Biyon, wie schaffst du es, immer so gut drauf zu sein?“ Ich frage dann zurück: „Wie schaffst du es, immer so schlecht drauf zu sein?“ (lacht) Ich nehme die Dinge mit einer gewissen Leichtigkeit. 

Wir leben ja viel nach diesem „Wenn, dann …“: „Wenn ich eine Beziehung habe, dann bin ich glücklich … Wenn ich die Beförderung habe, dann bin ich glücklich … Wenn ich das Auto als Statussymbol habe … Und wenn wir dieses Ziel erreicht haben, stellt sich die Frage: Und was jetzt? Da liegt der Fehler: Es geht darum, im Hier und Jetzt zu leben und den Weg zu seinem Ziel zu genießen. 

TOP Magazin: Blicken wir trotzdem mal in die Zukunft: Wie geht es für Sie weiter, an welchen Projekten arbeiten Sie derzeit? 

Dr. Biyon Kattilathu: Ich habe ein tolles Buchprojekt: ein Roman, der in Indien spielt. Für mich geht es damit also zurück zu den Wurzeln. Der Roman spielt in Nordindien. Ich werde dafür jetzt auch nach Indien fliegen und mich mit ganz vielen Rikscha-Fahrern treffen und austauschen. Sie sollen mir aus ihrem Leben erzählen, von ihren spannendsten Fahrten et cetera. Das Buch wird im Herbst 2019 erscheinen. Ich habe dafür einen tollen Verlag gefunden. Dieses Buch ist für mich gerade ein Herzensthema. Außerdem stehen bei mir gerade mehrere Auftritte in der Schweiz und in Österreich an. Darauf bin ich schon sehr gespannt. 

Erschienen in: TOP MAGAZIN SAUERLAND 3/2018