„Wir wollen die Region für die Bürger attraktiv halten“

Dr. Jürgen Fischbach ist seit Oktober 2022 neuer Geschäftsführer des Sauerland-Tourismus. Mit dem TOP Sauerland sprach er über hochwertigen Tourismus in der Region, den Stellenwert der Bobbahn in Winterberg und die touristischen Stärken des Sauerlands.

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Dr.Jürgen Fischbach (3.v.l.) als Geschäftsführer und Jannik Müller (2.v.l.) als stv. Geschäftsführer bilden das neue Führungsduo des Sauerland-Tourismus – hier gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden Frank Linnekugel (1.v.l.) und seinem Stellvertreter Philipp Scharfenbaum (4.v.l.).

TOP Magazin: Herr Dr. Fischbach, Sie sind seit der Gründung im Jahr 2004 für den Verein „Sauerland-Tourismus“ tätig. Wie bewerten Sie die Entwicklung in den letzten 18 Jahren?


Dr. Jürgen Fischbach: Das Sauerland hat sich seitdem massiv weiterentwickelt. Insbesondere im Bereich des Qualitätstourismus und in der touristischen Infrastruktur, hinsichtlich unserer Radwege und Wanderwege. Auf der anderen Seite ist auch im gesamten Gastgewerbe – selbst in der Corona-Zeit – viel investiert worden. Das ist schon lobenswert und hat letztendlich auch dazu beigetragen, dass wir uns in der Nachfrage sehr gut gegenüber Mitbewerbern behaupten können.

 

TOP Magazin: Was sind die Stärken des Sauerlands im touristischen Vergleich zu anderen Regionen?

 

Dr. Jürgen Fischbach: Das Sauerland ist ja eine Mittelgebirgsregion, wie andere Regionen auch. Aber was uns unterscheidet, ist, dass wir seit mindestens zehn Jahren ein neues Heimatgefühl im Sauerland erleben. Das heißt: Es gibt sehr viele Menschen, die an der Qualität oder der Weiterentwicklung der Region mitarbeiten, speziell im gesamten ehrenamtlichen Bereich. Wie zum Beispiel der Natur- und Umweltschutz, der Wanderverein SGV oder der Sauerländer Heimatbund.
Wir haben also eine Vielzahl von Akteuren, die sich massiv für die Weiterentwicklung der Region einsetzen. Dadurch entstehen touristische Produkte, was man auch durch die Corona-Pandemie gesehen hat: Wir haben ein großes Netz an touristisch nutzbaren Radwegen oder das Wanderwegenetz. Als man damals nach dem Beginn der Pandemie wieder verreisen oder Tagesausflüge machen durfte, waren wir eine der ersten Regionen, die wieder beliebt waren und entsprechend Nachfrage generieren konnten. Das Freizeitangebot ist also etwas, was uns im Umfang und in der Qualität deutlich von anderen Regionen unterscheidet.

 

TOP Magazin: Sie haben die Coronapandemie bereits angesprochen: Wie gut hat sich der Tourismus im Sauerland von der Pandemie erholen können?

 

Dr. Jürgen Fischbach: Wir haben gemerkt, dass wir während der Coronazeit viele neue Gäste für das Sauerland begeistern konnten – und auch das ist etwas, was unsere Region auszeichnet. Denn wer hier einen Ausflug oder eine Reise hingemacht hat, der kommt tatsächlich auch wieder.
Auf der anderen Seite muss man allerdings auch sagen: Das Gastgewerbe ist kleinteilig – und viele haben hart kämpfen müssen, um die Pandemie zu überstehen. Da aber auch einiges an Rücklagen investiert wurde, sind wir relativ gut durch die Pandemie bekommen. Dennoch haben wir aktuell im Vergleich zu 2019 ein Minus im zweistelligen Millionenbereich und sind natürlich noch nicht auf dem Niveau, auf dem wir vor der Corona-Zeit waren. Insbesondere im Bereich der Hotellerie sind die Einnahmen zurückgegangen, während zum Beispiel der Ferienwohnungsbereich oder Campingbereich deutlich mehr Einnahmen generieren als früher. Das waren natürlich auch die ersten Bereiche, die jeweils nach den Lockdowns wieder aufmachen durften.
Durch die Pandemie sind also zahlreiche neue Tagesausflügler ins Sauerland gekommen, wodurch wir viele neue Menschen für unsere Region begeistert haben.

 

TOP Magazin: Was sind Ihre Empfehlungen für hochwertigen Tourismus im Sauerland?

 

Dr. Jürgen Fischbach: Alleine im Wander- und Radbereich hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel getan. Wir haben Topprodukte wie zum Beispiel den Rothaarsteig, mit dem die neue Wanderbewegung losging. Das gilt für die Folgezeit mit der Gründung der Sauerland-Wanderdörfer und der Entwicklung vom Sauerland-Höhenflug oder der Sauerland-Waldroute. Zusätzlich sind eine ganze Reihe thematischer Radtouren hinzugekommen, die alle Teil des übergeordneten Knotenpunktesystems des Radnetzes Südwestfalen sind. Es ist also sowohl von öffentlicher Seite als auch von privater Seite viel Arbeit und Geld in touristische Infrastruktur eingeflossen. Einerseits ist die Infrastruktur zwar auf die Gäste zugeschnitten, aber sie kommt unmittelbar genauso der Bevölkerung im Sauerland zugute.

 

TOP Magazin: Der Winterberger Rat hat dem Bau eines 5-Sterne-Hotels im Ortsteil Hoheleye zugestimmt. Inwiefern würde der Tourismus im Sauerland von diesem Projekt profitieren?

 

Dr. Jürgen Fischbach: Das Sauerland hat sowohl während der Corona-Pandemie als auch schon in der Zeit vorher sehr viel in hochwertige Angebote investiert. Und das hat sich absolut bewährt. Im Ferienwohnungsbereich hat es zum Beispiel einen deutlichen Zuwachs an 4- oder 5-Sterne-Ferienwohnungen gegeben. Und das wird durch die Gäste honoriert. Also: Alles, was im wertigen oder hochwertigen Bereich an Investitionen getätigt wird, wird unsere Region voranbringen.

 

TOP Magazin: Kürzlich hat die Wok-WM in der Bobbahn in Winterberg ihr Comeback gefeiert, außerdem findet hier die IBSF Bob & Skeleton WM 2024 statt. Welche Rolle hat der Wintersport für die Region?

 

Dr. Jürgen Fischbach: Die Wintersport-Arena Sauerland ist das größte Wintersportgebiet nördlich der Alpen. Dadurch sind wir insbesondere für den Bereich Nordrhein-Westfalen und alles, was nördlich davon liegt, ein absolutes Wintersportziel. Und im Wintersportbereich ist in den Skigebieten einiges investiert worden.
Events wie die Wok-WM sind mit Sicherheit eine Bereicherung für das Sauerland, weil wir noch stärker als Wintersportziel wahrgenommen werden. Für die Bob & Skeleton WM 2024 hoffen wir, dass wir als Ausrichter an die Erfolge der letzten Weltmeisterschaft, die in Winterberg stattgefunden haben, anknüpfen können. Es ist alles andere als selbstverständlich, dass man den Zuschlag für eine Weltmeisterschaft erhält, daher ist das natürlich eine Bestätigung für die die Akteure der Bobbahn oder auch für Winterberg, dass sie wirklich gute Arbeit geleistet haben. Außerdem ist das ein echtes Highlight für die Region, eine Weltmeisterschaft ausrichten zu dürfen, weil sie das Sauerland noch stärker in den Fokus rückt. Deshalb werden wir als Sauerland-Tourismus hier tatkräftig unterstützen.
Bei der letzten WM 2015 hatten wir fast 30.000 Zuschauer; die vielen Presseberichterstattungen und TV-Übertragungen sind aber fast noch wertvoller.

 

TOP Magazin: Was sind Ihre Ziele für die Zukunft?  

 

Dr. Jürgen Fischbach: Grundsätzlich werden wir kontinuierlich so weiterarbeiten, wie wir das in den letzten Jahren erfolgreich gemacht haben. Wir haben versucht, das Bild eines neuen Sauerlands zu prägen, gemeinsam mit all unseren Partnern. Und daran wollen wir auf jeden Fall festhalten. Für den Lebens- und Freizeitraum im Sauerland zu arbeiten heißt für uns einerseits, die touristischen Möglichkeiten auch sehr stark weiterzuentwickeln und zu vermarkten. Auf der anderen Seite wollen wir die Region für die Bürger attraktiv halten und dazu zählen Freizeitmöglichkeiten und Ähnliches. Ein anderer Schwerpunkt ist, dass wir das Gastgewerbe in den nächsten Jahren noch mehr in den Mittelpunkt stellen werden. Wir wollen den Bürgern und Gästen deutlicher zeigen, wie man im Sauerland gemütlich einkehren oder übernachten kann. Wenn man sieht, was in den letzten Jahren hier neu gebaut oder weiterentwickelt wurde, dann sind wir als Sauerland Mitbewerbern ein ganzes Stück voraus. Insbesondere nach der Corona-Pandemie ist es auch für das Gastgewerbe wichtig, dass wir noch mehr Nachfrage erhalten.