Zeitlos schön
Funktionalität, Ästhetik und Emotion in einem Stück
(Foto: © claudunia – stock.adobe.com)
Wer eine hat, der kennt ihren Wert genau. Und damit ist jetzt nicht der schnöde Kaufpreis gemeint. Nein, eine echte Designerleuchte ist ein stetiger Quell der Freude. Sie löst gute Gefühle aus, wenn man abends auf dem Sofa sitzt und den Blick durch den Raum schweifen lässt. So ein Original ist aus hochwertigen Materialien gefertigt, verbindet Optik und Benutzerfreundlichkeit auf elegante Weise miteinander und wird aufgrund seiner Langlebigkeit oft als Erbstück in der Familie weitergegeben. Authentische Designerstücke behalten nicht nur ihren Wert, sondern steigern ihn im Laufe der Zeit sogar. Neben all dem, was sich über die ästhetische Qualität sagen ließe, kommt speziell bei Lampen auch noch ein ganz emotionaler Aspekt hinzu: Wir verknüpfen Erlebnisse mit ihnen. Sind wir irgendwo auf der Welt und begegnen genau dieser klassischen Pendelleuchte, die in unserem Elternhaus über dem Esstisch hing, sind sofort die Erinnerungen da, an gemeinsame Mahlzeiten mit den Liebsten. Wenn wir uns selbst als Belohnung für einen beruflichen Erfolg eine Leselampe von einem bekannten Designer gegönnt haben, so wird sie uns jedes Mal, wenn wir sie abends anschalten, um den Feierabend einzuläuten, gute Gefühle vermitteln. In einem Original steckt auch etwas von dem Künstler, der es geschaffen hat. Designerleuchten sprechen, ohne dass sie etwas sagen müssen. Ganz unbewusst strahlen sie aus, was sich jemand dabei gedacht hat. Genau das macht sie so faszinierend.
2025 steht Vintage-Charme im Rampenlicht
Experten wie zum Beispiel Mary Buchanan, Creative Director bei Laura Ashley Lighting sind davon überzeugt, dass an der Vergangenheit orientierte Beleuchtung in diesem Jahr ein ganz starker Trend sein wird. Mit klassischen Stücken bringen wir ein Gefühl von Geschichte und Charakter in den Raum. Mag sein, dass auch die politisch unsicheren Zeiten ganz unbewusst eine Rolle dabei spielen, wenn wir uns mit prächtigen Kronleuchtern, Retro-Pendelleuchten oder Tischlampen im Stil der Mitte des vergangenen Jahrhunderts umgeben wollen. Vintage fügt sich damit auch sehr gut in die derzeit angesagten eklektischen Designstile, bei denen Elemente aus verschiedenen Stilepochen und Richtungen zu einem einzigartigen und persönlichen Look kombiniert werden. Mit ihren modernen und teils auch smart gesteuerten Leuchtmitteln leisten schöne Designerleuchten heute außerdem einen Beitrag zum Energiesparen. In jedem Fall gilt aber für die wunderschönen Stücke immer noch: Wohl dem, der eine hat!
Zeitloses Meisterwerk: Atollo
Unter den wirklich ikonischen Stücken, die alle Zeiten überdauert haben und auch in Zukunft noch Statements setzen, ist die Atollo Tischlampe wohl die bekannteste. 1977 wurde sie von dem italienischen Industriedesigner Vico Magistretti für Oluce entworfen. Damals revolutionierte sie das klassische Konzept der typischen Nachttischlampe. Diese Leuchte wurde vielfach ausgezeichnet – unter anderem mit dem begehrten „Compasso d‘Oro“. Sie ist in den dauerhaften Sammlungen von renommierten Museen wie dem MoMA oder dem Guggenheim in New York City vertreten. Der Leuchtenkörper auf dem runden Aluminiumfuß ist zylindrisch, darüber scheint der halbkreisförmige Schirm aus geblasenem Murano-Glas fast zu schweben. Bis heute wird der Klassiker von Oluce in verschiedenen Größen und Varianten gefertigt.
Für stilvolle Mahlzeiten: Hängeleuchte Mito sospeso
Dass sich dank der vielseitigen Funktionen die Lichtstimmung ganz individuell anpassen lässt, weil die Leuchte mit modernster LED-Technologie ausgestattet ist, macht die Leuchte so angenehm. Doch selbst, wenn sie gar nichts „könnte“ – Mito sospeso ziert jeden Raum. Ihr schlankes und schlichtes Design gibt es wahlweise mit einer matten oder glänzenden Metalloberfläche. Dank der klaren Linien und hochwertigen Materialien steht die Leuchte aus dem Hause Occhio für zeitlose Ästhetik, die sich verschiedenen Stilen in harmonischer Weise anpasst.
Reminiszenz an den Frühling: Der Gräshoppa
Greta M. Grossmann, eine der wenigen weiblichen Design-Pionierinnen, kam auf die Idee für diese Leuchte, als sie einen Grashüpfer beobachtete. Ihr Werk wurde ansonsten von Walter Gropius und Le Corbusier beeinflusst, sie arbeitete mit europäischen Vorlagen, die sie in ihrer ganz eigenen Art verwandelte. Damit war sie prägend für das amerikanische Mid-Century-Design. Greta Grossmann war nach Los Angeles emigriert, bevor sie den Gräshoppa schuf. Er gilt deswegen auch als Bindeglied zwischen dem europäischen Modernismus und dem kalifornischen Design. Die dreibeinige Stehleuchte mit ihrem filigranen Stahlgestell gibt es bis heute in zahlreichen Farben.
Nachts Beleuchtung, tagsüber Kunstwerk: PH Artichoke
Ein gutes Beispiel dafür, warum Designerleuchten so hochwertig sind, ist diese Deckenleuchte des dänischen Designers Poul Henningsen. Ganz egal, aus welchem Winkel man sie betrachtet – die Augen werden nie vom Licht geblendet. Die 72 präzise angeordneten Blätter in zwölf Reihen ergeben das gesamte Erscheinungsbild, was tatsächlich an eine gekochte Artischocke erinnert, die ihre Blätter schon entfaltet hat. Kurzum: Tagsüber sieht man sie gerne an und wenn man in der Nacht in ihre Richtung schaut, ist die Helligkeit besonders angenehm. Auch die PH Artichoke ist im MoMA, sowie dem Victoria & Albert Museum vertreten. Sie passt sich den unterschiedlichsten Einrichtungsstilen an und wird bis heute in verschiedenen Materialien und Ausführungen vom dänische Beleuchtungshersteller Louis Poulsen produziert, um wirklich zeitgemäß zu bleiben.
Inspiriert von der Hippie-Kultur: Flowerpot
Sie ist einer der Klassiker des dänischen Nachkriegsdesigns und wurde 1970 zum ersten Mal auf einer Ausstellung präsentiert: Bis heute begeistert die Hängeleuchte Flowerpot. Mit ihren zwei unterschiedlich großen und gegenüberliegenden Halbkugeln erzeugt sie angenehmes und blendfreies Licht. Dabei schimmert ein wenig von dem Feeling der Flower-Power-Bewegung der 60er-Jahre durch, was den Designer Verner Panton angeregt hatte. Er wollte damals eine völlig neuartige Leuchte schaffen und galt beinahe als revolutionär, weil er leuchtende Emaille-Farben und bunte Kabel verwendete. Bis heute findet sich dieses edle Stück, auch als „Volkswagen unter den Beleuchtungen“ bezeichnet, in vielen privaten und öffentlichen Räumen. Die Kombination aus minimalistischem Design und verspielten Elementen ist auch über 50 Jahre nach ihrer Entstehung noch en vogue.
Monument dänischen Designs: AJ
Unter anderem dieser Stehleuchte verdankt der dänische Designer Arne Jacobsen seinen Ruhm. Ursprünglich entwarf er sie als Teil der Inneneinrichtung des Radisson SAS Royal Hotel in Kopenhagen, mit deren Entwicklung er betraut war. In AJ verbinden sich Funktionalismus und Minimalismus mit geraden Linien und schrägen sowie rechten Winkeln. Skulptural und gleichzeitig stromlinienförmig ist die Leuchte zum zeitlosen Klassiker geworden. Zu der Serie gehören weitere Tisch-. Wand- und Steh-Leuchten, die sich in verschiedene Inneneinrichtungsstile perfekt einfügen. Anlässlich des 60. Jubiläums dieser Leuchtenserie im Jahr 2017 entschied sich der dänische Beleuchtungshersteller Louis Poulsen dazu, das Modell wieder ins Programm aufzunehmen und in neuen, zeitgenössischen Farben anzubieten.
Bauhaus-Leuchte WG24 von Wilhelm Wagenfeld
Das Bild des Designklassikers mit seinem schweren Glasfuß, der Leuchtenschaft aus transparentem Glas und dem weißen halbkugelförmigen Lampenschirms aus Glas ist vertraut. Wagenfeld war erst 24 Jahre alt, als er diese Tischleuchte kreierte. Man bekommt sie bis heute im Shop des MoMA in New York. In Deutschland bietet sie der auf Bauhaus spezialisierte Hersteller Tecnolumen in vier verschiedenen Versionen nach Wagenfelds Entwürfen an.
Innovativ und unkonventionell: „Porca Miseria!“
Diese Leuchte gehört zu den bekanntesten Stücken des renommierten deutschen Lichtdesigners und Künstlers Ingo Maurer. Geboren am Bodensee, zog es ihn nach dem Grafikstudium in München nach New York und San Francisco, wo er als freier Designer erste Erfolge feierte. Später gründete er „Design M“ in München. Die legendäre Leuchte, die für jeden Kunden individuell entwickelt wird und pro Jahr nur drei bis fünfmal verkauft wird, besteht aus Bruchstücken von Geschirr und Besteck, die scheinbar in alle Richtungen fliegen. Eigentlich hieß sie ursprünglich „Zabriskie Point“ und war von Michelangelo Antonionis gleichnamigem Film inspiriert, in dem ein Schloss in Zeitlupe explodiert. Als Maurer die Leuchte aber 1994 auf der Mailänder Möbelmesse präsentierte, rief ein italienischer Besucher spontan „Porca Miseria!“, was man mit „so ein Pech!“ übersetzen könnte. Maurer, der mit diesem Stück auch ganz bewusst gegen die anderen Entwürfe auf der Messe, die ihm alle zu glatt und zu designbewusst erschienen, antreten wollte, griff das sofort auf und taufte die Leuchte um.
Design-Ikone des 20. Jahrhunderts: Pipistrello
Pipistrello ist italienisch und bedeutet Fledermaus. Tatsächlich erinnert der charakteristische Schirm dieser Leuchte an die ausgebreiteten Flügel einer Fledermaus. Die renommierte italienische Architektin und Designerin Gae Aulenti hat sie 1965 entwickelt. Organische Formen, inspiriert von fließenden Kurven in der Natur treffen auf industrielles Design. Durch ein Teleskopsystem lässt sich die Leuchte in der Höhe variieren. Sie ist in den Sammlungen bedeutender Mussen bis heute vertreten, man findet sie im MoMA in New York ebenso wie im Centre Pompidou in Paris. Sie steht symbolisch für die Neoliberty-Bewegung, eine Alternative zum Modernismus, die aussdrucksstarke Formen bevorzugt und oft auch vergangene Stile neu interpretiert. Pipistrello ist zeitlos elegant und wurde in den vergangenen 50 Jahren immer wieder weiterentwickelt, ohne dabei ihr ursprüngliches Wesen einzubüßen.
Eleganz und Innovation vereint: Flindt Wall-Leuchte von Christian Flindt
Die Flindt Wall-Leuchte, die im Herbst 2018 eingeführt wurde, ist ein Meisterwerk des dänischen Designers Christian Flindt. Diese elegante Wandleuchte zeichnet sich durch ihre organische Form und ihre innovative Lichtverteilung aus. Die Leuchte besteht aus Aluminium und ist in verschiedenen Farben erhältlich, darunter Aluminium, Weiß und Braun. Die Flindt Wall-Leuchte erzeugt ein sanftes, indirektes Licht, das durch eine kreisförmige Öffnung in der Mitte der Leuchte strömt. Diese Öffnung sorgt für eine faszinierende Licht- und Schattenwirkung an der Wand, die jedem Raum eine besondere Atmosphäre verleiht. Die Leuchte ist sowohl für den Innen- als auch für den Außenbereich geeignet und kann einzeln oder in Gruppen installiert werden, um beeindruckende Lichtinstallationen zu schaffen. Mit ihrer Kombination aus skulpturalem Design und funktionaler Beleuchtung ist die Flindt Wall-Leuchte ein herausragendes Beispiel für modernes Design und eine Bereicherung für jedes architektonische Umfeld.
Asiatisches Flair: Akari Light Sculptures
Auf japanisch bedeutet „Akari“ soviel wie Helligkeit und Licht. Isamu Noguchi hat mit diesem Namen eine treffende Bezeichnung für seine außergewöhnlichen Lichtskulpturen gewählt. Die Idee für diese Serie aus schwerelos anmutenden Leuchtkörpern kam ihm während einer Reise. In der japanischen Stadt Gifu, die für ihre Produktion von Laternen und Papierschirmen bekannt ist, fertigte er die ersten Entwürfe. Im Laufe der Jahre folgten noch rund 100 weitere Versionen. Die kleinste Leuchte aus der Serie ist 24 Zentimeter, die höchste misst knapp drei Meter. Bis heute wird jede einzelne in Gifu in einem traditionellen Familienbetrieb handgefertigt. Dabei werden zunächst Bambusruten an der hölzernen Originalform fixiert, Washi-Papierstreifen aus der Rinde des Maulbeerbaums vorsichtig darüber gezogen und erst wenn alles getrocknet ist, wird die Holzform entfernt und der Papierschirm für den Transport gefaltet.