Uhr-Knall

Was ist Zeit?

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Foto: milosluz/AdobeStock

Mittlerweile lässt uns schon alleine das Wort in beklemmender Anspannung zusammenfahren, so fühlen wir uns oft von der Zeit ruhelos unter Druck gesetzt. Hat die Zeit einen Anfang, ein Ende? Könnte es vielleicht „Zeitreisen“ geben? Wie kommt es zu dem Unterschied zwischen Vergangenheit und Zukunft? Auch Thomas Mann beschäftigte diese Frage in seinem berühmten Roman „Der Zauberberg“: Ist sie ein Geheimnis, wesenlos und gar allmächtig? 

Was ist Zeit? Auf jeden Fall ist sie relativ – sie hat sich vom Urknall bis heute nicht verändert. Morgens ging schon immer die Sonne auf und abends geht sie wieder unter. Sie war immer schon da und allgegenwärtig bestimmt sie den Rhythmus unseres Lebens. Irgendwann, mit der Erfindung Uhr, wurden aus Sekunden Minuten und aus Minuten Stunden, Zeit, die wir mit Leben füllen. Fest steht, sie ist, trotz tickendem Zeiger, eine reine Form der Anschauung und insbesondere mehr als das, was wir aus unserer alltäglichen, beschränkten Per-spek-tive glauben. Lässt man sich darauf ein, gelangt man schnell an die Grenzen des Vorstellbaren. Jeder hat sein persönliches Zeitgefühl und doch stellen wir fest, dass beim Warten die Zeit scheinbar langsamer vergeht, während bei einer kurzweiligen Beschäftigung die Zeit „verfliegt“. 

Leben mit der Zeit

Die „Innere Uhr“, die allen Lebewesen auf diesem Planeten, egal, ob Bakterium, Pflanze, Tier oder Mensch, gemeinsam ist, gibt den Takt an. Unser persönlicher Rhythmus richtet sich an vielfältigen Zeitgebern, wie dem Wechsel von Hell und Dunkel, körperlichen Aktivitäten, Zeitpunkt und Zusammensetzung der Mahlzeiten oder an unseren sozialen Kontakten, aus. Der treueste Wegbegleiter in unserer durchgeplanten Gesellschaft ist dabei trotz dem Smartphone immernoch die Armbanduhr. Dabei ist sie mehr als nur ein zeitmessender, profaner Alltagsgegenstand: Immer mehr Menschen tragen gerne ein besonderes Modell an ihrem Handgelenk. Die Uhr hat die Zeit nicht verändert. Die Zeit aber die Uhren. Eins bleibt jedoch: Selbst bei exakter Erfassung ist die Zeit weiter relativ.

Zeitreise 

Zu Beginn war die Zeitmessung vergleichsweise primitiv: Die ersten Uhren basierten auf dem Prinzip der Messung von Sonnenlauf, strömenden Flüssigkeiten oder Sand. Seit dem dritten Jahrtausend v. Chr. benutzte man Wasseruhren, Öluhren und Sanduhren. Alle basieren auf einer Gemeinsamkeit: Ein gleichmäßig strömendes Medium passiert eine fixierte Strecke in einer bestimmten Zeit.

Die modernere Uhr wurde erst 1632 nach dem Pendelprinzip von Galileo Galilei entwickelt. Mit der Pendeluhr erfuhr das Zeitmessen eine wichtige Änderung. Nun wurden nicht mehr gleichmäßig strömende Medien, die in endlicher Zeit eine Fallstrecke zurücklegten, herangezogen, sondern periodische Prozesse. Das hatte den Vorteil, dass man jetzt beliebig lange Zeiten messen konnte. Gewissermaßen wurde mit der Pendeluhr ein fundamentales Uhrenprinzip begründet, nämlich dass moderne Uhren immer aus einem Taktgeber und einem Zählwerk bestehen. 

Die erste funktionierende Pendeluhr kommt, wer hätte es gedacht, aus den Niederlanden. 25 Jahre nach Galileis Entwicklung gelang es dem Uhrmacher Salomon Coster aus Den Haag, eine Pendule mit einer Gangabweichung von nur ±10 s am Tag zu fertigen. Für mehr als 20 Jahre erhielt er sogar das Privileg, als Einziger diese Art von Uhren herzustellen und zu verkaufen. 

Die Erfindung von tragbaren Uhren wurde ab dem frühen 16. Jahrhundert zunächst in Form von kostbaren Taschenuhren dem Nürnberger Peter Henlein zugeschrieben. Und wann kamen die Schweizer ins Spiel? Mit der Erfindung der Armbanduhr! Ein Schweizer namens Abraham Louis Breguet fertigte im Jahr 1810 für Napoleons Schwester Caroline Murat die erste richtige Armbanduhr der Welt an. Diese Uhrenform blieb aber zunächst Frauensache. Später entdeckten auch die Herren den praktischen Vorteil der Armbanduhren. Die Schweizer Uhrenmanufaktur Girard-Perregaux brachte ab 1880 eine Serie Armbanduhren für die deutsche Kriegsmarine heraus. Die erste Armbanduhr mit Lederarmband fertigte der französische Uhrmacher Louis Cartier für den Piloten Alberto Santos Dumont. Ab 1904 wurde sie als Fliegeruhr „Cartier Santos“ ein Star am Handgelenk. Doch erst im Ersten Weltkrieg erkannten die Offiziere, wie unpraktisch Taschenuhren im Kampf waren. Cartier entwickelte die „Tank“, in der Form den Panzern nachempfunden, mit denen Engländer und Amerikaner in Frankreich kämpften. Er überreichte diese Uhr als Erinnerungsstück den couragierten Befehlshabern. Die Armbanduhr setzte sich als Standard durch. 

Erschienen in: TOP MAGAZIN SAUERLAND 2/2019